Objekte aus 30 Jahren feministischer Archivgeschichte in Westfalen
Einführung in die Ausstellung
aus bewegten Zeiten
Objekte aus 30 Jahren feministischer Archivgeschichte in Westfalen
ausZeiten entstand vor 30 Jahren aus dem NICHTS.
Sicher, es gab Zeitungsartikel, die wir für unsere politische Arbeit nutzten.
Wir hatten auch selbst schon jede Menge Papier produziert, mit dem wir unsere frauen- und lesbenpolitischen Ideen, Aktivitäten und Analysen publiziert hatten. Es gab Infoblätter und Zeitschriften, von Frauen für Frauen – in Bochum, in Essen, in Bielefeld, Münster und hunderten anderen Orten auf der Welt.
Es gab sogar schon ein Frauenarchiv an der Uni mit einem hervorragenden Buchbestand – aber ohne Zeitungsartikel. So kam es, dass nach dem ersten Aufruf zum Aufbau eines – ich zitiere – „Zeitungsausschnitts-Archiv“ sich ein halbes Dutzend Frauen einfand, um das NICHTS zu beheben. Wir befinden uns im Jahr 1993.
Das NICHTS füllte sich rasant. Innerhalb von 2 Jahren hatten wir einen beachtlichen Archiv-Bestand in einem vorläufigen Raum zusammengetragen, so dass wir einen Verein gründeten, Räume anmieteten und öffentlich wurden. Wir gewannen Förderinnen, die das monetäre NICHTS unkenntlich machten. Fast. Bis heute.
Frauen strömten zu uns, die uns ihre gesammelten Schätze brachten. Ein Strom, der seit 30 Jahren nicht abreißt.
Mitarbeiterinnen kamen und blieben, einige gingen wieder, über 60 Frauen waren es in den 3 Jahrzehnten. Heute sind wir 14.
Nutzerinnen entdeckten uns, recherchierten, publizierten. Heute finden sie uns im Netz – dank der Fäden, die wir zu den anderen feministischen Archiven und Bibliotheken gespannt haben. Eine Metadatenbank ist vor 10 Jahren daraus geworden. Aus dem – scheinbaren – NICHTS.
Den ersten Antrag schrieben wir für eine Rampe, mit der Gehbehinderte und Rollifahrerinnen die Eingangsstufen zu unseren Räumen in der Josefinenstraße hätten überwinden können. Wir hatten zu tun mit dem Bochumer Katasteramt, dem Bauordnungsamt, dem Tiefbauamt, dem Amt für Wohnungswesen, mit diversen Baufirmen, einer Architektin, einer Statikerin und mit Stabile Stahlbau, bis wir immerhin einen „Gestattungsvertrag“ mit dem Tiefbauamt der Stadt Bochum abschließen konnten. Dann mit Politikerinnen verschiedener Parteien, mit dem Bauministerium und dem MAGS in Düsseldorf, mit Stiftungen, mit der NRW-Ministerin Frau Ridder-Melchers, mit der Bundesministerin Claudia Nolte, mit Banken und Sparkassen. Niemand wollte die Kosten von 31.000 DM übernehmen.
Mit Ablehnungen von Finanzierungsanträgen für unser schönes Archiv leben wir nunmehr 30 Jahre. NICHTS geben wir auf. Unsere Förderinnen haben ein ausgeprägtes Bewusstsein von der Notwendigkeit, Frauengeschichte nachhaltig zu bewahren. Somit ist die Miete sicher. Noch. Die Stadt gibt uns 450,- € Miete im Monat für unser Depot, also für zusätzlich angemietete Räume. Immerhin. NICHTS ist sicher.
Aber ganz sicher ist, dass wir weitermachen, alte und junge Mitarbeiterinnen.
Die italienische Frauenbewegung prägte in den 1970er Jahren den Spruch: „Die Zeiten der Frauen sind die Zeiten, die die Frauen sich geben“. Im ausZeiten lebt die Essenz dieses Spruchs. Wir ermöglichen selbstbestimmte Auszeiten vom patriarchalen Normalzustand.
Und wenn wir weiterhin so schöne Projekte gefördert bekommen, wie das jetzige vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe, dann tragen wir unsere Schätze in die Welt, mindestens bis ins Stadtarchiv.
Danke!