Nachruf auf Sabine Balke Estremadoyro

Am 11. März 2026 ist Sabine Balke Estremadoyro im Alter von 66 Jahren gestorben. Sabine war 2 Jahrzehnte lang Mitarbeiterin im Lesbenarchiv Spinnboden in Berlin und lange Jahre im Vorstand des Dachverbands i.d.a. – informieren dokumentieren archivieren der deutschsprachigen Lesben-/Frauenarchive, -bibliotheken und -dokumentationsstellen.
Sie hat im letzten Jahrzehnt entscheidend am Aufbau der Metadatenbank mitgearbeitet sowie an der Etablierung des Digitalen Deutschen Frauenarchivs, hat mitgewirkt an der Verstetigung der Finanzierung des DDF, hat vermittelt zwischen Bundesministerium und unseren jeweiligen feministischen Einrichtungen, was sicher nicht immer einfach war.

Mexiko – Stadt der Frauen hieß die Ausstellung, von der wir – Frauen aus der Bochumer Frauen/Lesbenszene – im Februar 1992 begeistert waren. Im Stadtarchiv in Bochum war sie aufgebaut, ein gemeinsames Projekt von deutschen und mexikanischen Frauen, frauenbewegten Künstlerinnen, die die Lage der Frauen in Mexiko in vielfältiger Weise dargestellt hatten. Besonders eindrucksvoll war ein riesiger Schrank, der die Lage der mexikanischen Lesben symbolisierte.

Knapp 30 Jahre später saß ich mit Sabine am Tisch in einer Kneipe, in der wir nach einem arbeitsreichen Tag unseres jährlichen Archivetreffens zu Abend aßen. Wir kannten uns seit ca. 2 Jahrzehnten, seit sie für den Spinnboden an den Treffen teilnahm. Ich weiß nicht mehr, wie wir darauf kamen, aber irgendwann kam die Sprache auf die Ausstellung, und Sabine sagte, dass sie daran mitgewirkt hatte. Ich war verblüfft, weil diese Ausstellung so herausragend besonders war, ein feministisches Projekt, an dem fast 40 mexikanische Frauen- und Lesbengruppen und -organisationen mitgewirkt hatten, und das Anfang der 1990er Jahre in einem ganz „normalen“ deutschen Stadtarchiv gezeigt wurde. Begleitend zur Ausstellung war ein Katalog erschienen, der mehr war als ein Katalog zur Ausstellung, „sondern auch ein eigenständiger Beitrag zu Aspekten der mexikanischen Frauenbewegungen bzw. der Reflexion des deutsches Interesses an ihnen.“ (S.7) Und zu diesem tollen Projekt hatte Sabine beigetragen, lange schon, bevor wir uns im Frauen-/Lesbenarchivezusammenhang begegneten und sicher nicht nur aufgrund ihrer Sprachkenntnisse. Wir hatten eine unerwartete Gemeinsamkeit entdeckt.

Uns bleibt die Erinnerung. Mehr nicht. Aber sie ist kostbar.

Nachruf von Rita Kronauer